08.07.2020

Newsletter Kirchenasyl 06-7/2020

Liebe Freund*innen der Kirchenasylbewegung,

Nach der (fast) kompletten Aussetzung der Abschiebungen während des Lockdowns wächst unter Geflüchteten und Unterstützer*innen die Unsicherheit, wie es nun weitergeht. Kirchenasyle, die aufgelöst wurden, werden teils wiederaufgenommen, neue Anfragen erreichen die Gemeinden und Gemeinschaften. Gleichzeitig gehören viele der kirchlichen Ehrenamtlichen zur Risiko-Gruppe. Daher ermutigen wir alle, die können, in Härtefällen Kirchenasyl auszusprechen und so Menschenleben zu schützen. Unsere aktuelle Pressemitteilung dazu finden Sie unter I.

Die Corona-Pandemie bedeutet auch für uns veränderte Formate. Über den Sommer finden mehrere thematische Online-Begegnungen zum Kirchenasyl statt. Alle Infos dazu finden Sie unter II. Wir würden uns freuen, einige von Ihnen zu sehen!

Als ökumenische BAG Asyl in der Kirche sind wir Teil der von Pro Asyl getragenen Kampagne #offengeht. 5 Jahre ist es nun her, dass wir den „Sommer der Migration“ erlebten. Was hat sich seitdem verändert, welche Forderungen bestehen weiterhin und welche sind neu hinzugekommen. Schließen Sie sich an und treten Sie mit uns für ein humanes Asylsystem und Aufnahme von Flüchtlingen ein.

Wenn Sie die Artikel, die wir im „Pressespiegel“ zusammengestellt haben lesen möchten, folgen Sie bitte einfach dem markierten Link auf die Website. Sollten Sie Veranstaltungen organisieren, die von Interesse sein könnten und die wir auf unserer Homepage und im Newsletter bewerben sollen, schreiben Sie uns bitte an .

Mit freundlichen Grüßen,

Genia Schenke
Ulrike La Gro

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I. In Eigener Sache

Solidarität auch für Geflüchtete
 

PM zum Tag des Flüchtlings am 20.06.2020

Ökumenische Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Asyl in der Kirche fordert Solidarität auch für Geflüchtete


Während des Corona-bedingten Lockdowns setzte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) innereuropäische Rücküberstellungen aus. Auch darüber hinaus fanden in den letzten Monaten kaum Abschiebungen statt. Trotzdem wurden laufende Kirchenasyle in  vielen Kirchengemeinden nicht beendet. In den meisten Fällen hätte dies nämlich eine Rückkehr in eine Gemeinschaftsunterkunft und damit ein erhöhtes Infektionsrisiko für Covid-19 bedeutet.

Die Vorsitzende der BAG Asyl in der Kirche, Pastorin Dietlind Jochims: „In Großunterkünften sind Hygiene- und Abstandsregeln schlecht einzuhalten. Kirchenasyle sind zurzeit zusätzlich aktiver Gesundheitsschutz. Ich wünsche mir, dass die Solidarität, die wir in der Coronazeit (er)leben, endlich auch Flüchtlinge miteinschließt. Dazu gehören Gesundheitsschutz und am Menschen orientiertes unbürokratisches Handeln. Abschiebungen, ob in europäische Länder, in denen Gesundheitssystem und Wirtschaft am Boden liegen, oder gar in Kriegs- und Krisengebiete, sind nicht vertretbar. Im Gegenteil, Deutschland kann noch mehr Signale der Menschlichkeit setzen durch weitere Aufnahmen aus den Lagern zum Beispiel in Griechenland.“

Ein weiteres Anliegen der BAG Asyl in der Kirche betrifft die Praxis des BAMF, Überstellungsfristen für Flüchtlinge auszusetzen. Jochims. „Flüchtlingen wird zum Teil jahrelang eine inhaltliche Prüfung ihrer Schutzgründe verwehrt. Diese Zeit der Unsicherheit und fehlender Perspektive verlängert das BAMF nun zu Coronazeiten willkürlich. Das ist weder im Sinne der Dublin III-Verordnung noch ein Ausdruck der Solidarität, die wir mehr denn je brauchen.“

Die BAG Asyl in der Kirche unterstützt die Forderung von Pro Asyl, Jugendliche ohne Grenzen und den Landesflüchtlingsräten nach einem erweiterten Abschiebestopp und ermutigt katholische, evangelische und freikirchliche Gemeinden und Ordensgemeinschaften, sich grundsätzlich für Kirchenasyl zu öffnen.

II.Online-Angebote der Ökumenischen BAG Asyl in der Kirche

Aufgrund der aktuellen Situation wird unsere diesjährige Jahrestagung ausfallen und stattdessen ein Online-Studientag am 26.09.2020 stattfinden. Auch davor laden wir Sie herzlich ein, mit uns in einen Austausch zu kommen. Zudem werden wir zukünftig regelmäßige Online-Austauschtreffen für Flüchtlinge, die aktuell im Kirchenasyl wohnen, anbieten. Wir bitten Sie, die mehrsprachige Einladung in Ihren Kreisen an Menschen im Kirchenasyl weiterzuleiten.
 
Wie können Sie an den jeweiligen Treffen teilnehmen?
Schreiben Sie eine E-mail an oder rufen Sie uns an:
030 25 89 88 91. Wir schicken Ihnen dann den Link zur Zoom-Konferenz.
Sie haben Interesse teilzunehmen, haben aber dieses Mal keine Zeit? Schreiben Sie uns eine E-Mail oder rufen Sie uns an, dann sagen wir Ihnen beim nächsten Mal Bescheid.
 
1)      10.07.2020 – 13:00-15:00 Uhr Erfahrungsaustausch im Kirchenasyl

Wir laden Sie ein zum Online-Erfahrungsaustausch für Menschen, die im Kirchenasyl sind oder waren. In Deutschland wohnen aktuell über 500 Personen im Kirchenasyl. Aufgrund der speziellen Situation wissen sie aber oft nicht voneinander. Daher wollen wir gemeinsam wir diskutieren: Wie geht es Ihnen momentan im Kirchenasyl? Was bedrückt Sie, was ist schwierig? Was sind Ihre Strategien, mit der schwierigen Situation umzugehen? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht, die anderen in derselben Situation helfen können?
Wir werden versuchen, auf Deutsch zu sprechen. Bei Schwierigkeiten helfen wir uns gemeinsam bei der Übersetzung.
Die Einladung finden Sie auf unserer Website auch auf Englisch, Farsi, Arabisch und Französisch.

2)      24.07.2020, 13:00-14:30 Kirchenasyl in Coronazeiten– was ist aus rechtlicher Sicht momentan zu beachten?

Unsere Referentin Anne Harms von Fluchtpunkt Hamburg wird einen Überblick über den Stand der Gespräche zum Kirchenasyl mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geben. Dabei werden wir uns vor allem mit der Corona- und nicht-Corona-bedingten Aussetzung der Dublin-Fristen beschäftigen. Wir freuen uns im Anschluss, mit Ihnen zu diskutieren und in einen Austausch zu kommen.
Zu diesem Treffen sind alle in der Kirchenasyl-Bewegung engagierte und am Thema Interessierte eingeladen. Die Veranstaltung findet auf Deutsch statt.

3)      14.08.2020, 13:00-15:00 Unterbringung im Kirchenasyl

Der Alltag im Kirchenasyl gestaltet sich in jeder Gemeinde oder Gemeinschaft und auch regional unterschiedlich. Von dieser Vielfalt liebt die Kirchenasyl-Bewegung. In den letzten Jahren nehmen wir durch die gestiegene Anzahl an sog. „Dublin-Kirchenasylen“, aber auch durch die vom BAMF auferlegten „Regeln“ eine Vereinheitlichung wahr. Welche Konsequenzen hat das für organisatorische Fragen bezüglich des Kirchenasyl, wie z.B. die Unterbringung? Nach einem Input tauschen wir uns über regionale Unterschiede aus und diskutieren Möglichkeiten und Spielräume.
Zu diesem Treffen sind alle in der Kirchenasyl-Bewegung engagierte und am Thema Interessierte eingeladen. Die Veranstaltung findet auf Deutsch statt.
 
4)      30.08.2020, 18:00-19:30 Tag des Kirchenasyls
 
Am 30.08.1983 starb in Berlin der 23jährige politische Flüchtling Cemal Kemal Altun. Er stürzte sich während seiner Verhandlung aus Angst vor der Abschiebung in die Türkei aus dem Fenster des Gerichtssaals. Zuvor hatte er über ein Jahr in Auslieferungshaft gesessen. Seitdem sind viele weitere Menschen als Folge der Abschiebungspolitik Deutschlands zu Tode gekommen, körperlich oder seelisch verletzt worden. Kurz nach Altuns Tod begann das erste Kirchenasyl in der Berliner Heilig-Kreuz-Gemeinde.
 
Am 30.08.2020 laden wir ein, uns gemeinsam an Cemal Kemal Altun und die Anfänge unserer Bewegung zu erinnern, aber auch Geschichten aus vergangenen und aktuellen Kirchenasylen zu teilen.
 
Zu diesem Treffen sind alle in der Kirchenasyl-Bewegung engagierte und am Thema Interessierte eingeladen. Die Veranstaltung findet auf Deutsch statt.

III. Aktuelle Statistik

Aktuell zum 08.07.2020
Wir wissen zurzeit von 357 aktiven Kirchenasylen mit mindestens 550 Personen, davon sind etwa 125 Kinder. 308 der Kirchenasyle sind sogenannte Dublin Fälle. 

IV. Pressespiegel*

12.06.20 Kirche-und-leben.de
Wo beginnt Rassismus? Und was wirkt dagegen?

Benedikt Kern ist katholischer Theologe und Mitarbeiter am Institut für Theologie und Politik Münster. Im Netzwerk Kirchenasyl setzt er sich intensiv für die Rechte und Lebenssituation von Migranten ein.
 
23.06.20 MiGAZIN
Wie zwei Flüchtlinge wegen Corona plötzlich unverzichtbar wurden

Wer sich in Kirchenasyl begibt, handelt nicht rechtsmissbräuchlich und hat einen Anspruch auf Sozialhilfe. Das hat das hessische Landessozialgericht im Fall eines Äthiopiers entschieden.

* Hinweis: Bei den kursiv gedruckten, zitierten Sätzen handelt es sich teilweise um die Anfänge einer Auswahl von Artikeln, die sich in den letzten Wochen mit dem Thema Kirchenasyl beschäftigt haben. Sie geben nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider. Die Hyperlinks der Überschriften verweisen auf die Quellen, sie sind für ihre Inhalte selbst verantwortlich. Am Erscheinungstag des Newsletters waren alle noch aktuell und zugänglich.

IV. Hinweise


V.I Corona-Newsticker von Pro Asyl

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­Auf der Website von Pro Asyl wurde ein Corona-Newsticker für Geflüchtete und Unterstützer*innen eingerichtet, den wir Ihnen wärmstens empfehlen. Dort finden sich auch Links zu mehrsprachigen Informationen zur aktuellen Lage.
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V.II Veranstaltungen
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10.07.2020 Online, bundesweit Austauschtreffen für Flüchtlinge im Kirchenasyl
24.07.2020 Online, bundesweit Aktuelle rechtliche Situation/Kirchenasyl in Coronazeiten
14.08.2020 Online, bundesweit Unterbringung und Alltag im Kirchenasyl
30.08.2020 bundesweit Tag des Kirchenasyls
29.09.2020 Online, in Planung Kirchenasyl aktuell – bundesweiter Online-Workshoptag

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